2010: Warnsignale häuslicher Gewalt

"Und das soll Liebe sein?"

Im Herbst 2010 findet ein Fachtag zur Prävention statt. Er wird begleitet durch eine Ausstellung, die der Dachverband der Autonomen Frauenberatungsstellen NRW e.V. entwickelt hat.

Die Tagungsteilnehmer tauschen sich in fachübergreifenden Arbeitsgruppen über die Möglichkeiten der Prävention im Kreis Kleve aus. Dabei arbeiten alle Gruppen - Bildungs- und Erziehungsarbeit, Jugendarbeit, Beratung, Therapie und Gesundheit sowie Recht und Ordnung - mit dem Kartenset "Warnsignale".

Bei der konkreten Arbeit wird vielen Teilnehmer/innen klar, wie schwierig es sein kann, zu beurteilen, ob in einer Beziehung Gewalt droht oder nicht. Denn die dargestellten Szenen werden teilweise sehr unterschiedlich bewertet. Ihre Interpretation wird u.a. durch persönliche und berufliche Erfahrungen geprägt. Es entstehen lebhafte Diskussionen in den Arbeitsgruppen, weil unterschiedliche Vorstellungen von Tolerierbaren, von unangemessenen Verhaltensweisen etc. vorhanden sind.

>>> Download der Tagungsdokumentation

Maßnahmen zur Prävention

Fachreferentin Birgitta Rennefeld vom Dachverband erläutert in Ihrem Vortrag die möglichen Vorbeuge-Maßnahmen:

Unterschieden wird zunächst zwischen primären, sekundären und tertiären Maßnahmen. Erstere umfassen die gesamte  Präventionsarbeit, beispielsweise in Schulen oder Tagesstätten. Hier sind Maßnahmen zu nennen, welche die Fähigkeiten und Stärken der Mädchen fördern und ihr Selbstwertgefühl stärken. Geeignet sind auch Kurse über gewaltfreie Kommunikation. Daneben ist aber auch die öffentliche Kampagne sehr wichtig. Hier geht es darum, ein politisches und öffentliches  Bewusstsein zu schaffen. Es soll klar signalisiert werden, dass Gewalt gesellschaftlich nicht erwünscht ist und dass sich
Betroffene mit ihrem Schicksal nicht abfinden müssen.

Sekundäre Maßnahmen greifen unmittelbar, nachdem es zur Gewalt gekommen ist und sollen einen zweiten gewaltsamen Übergriff verhindern. Hier ist die Arbeit von Polizei, Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen gefragt. Körperliche Gewalt ist meist die Folge von anderen Gewaltformen. Das gilt es zu erkennen und weitere körperliche und sexuelle Gewalt zu verhindern.

Tertiäre Maßnahmen sind auf einen langen Zeitraum hin angelegt und haben die Rehabilitation der Betroffenen zum Ziel. Hier erfolgt die Aufarbeitung des Erlebten, beispielsweise mit Hilfe einer Traumatherapie. In letzter Zeit wird in diesem  Zusammenhang auch immer mehr die Arbeit mit den Gewalttätern in Angriff genommen.